Jeder Karateka hat seine eigene Geschichte. Und es lohnt sich immer, ihm zuzuhören. Noch besser ist es, sie in kleinen Teilen mitzuerleben.

Als mich Michael Anfang 2014 fragte, ihn auf seinem Weg zum vierten Dan zu begleiten, sagte ich zu. Also trafen wir uns regelmäßig sonntags in unserem schönen Dojo, um Kihon-Waza und hauptsächlich zwei Kata zu trainieren: Tekki Nidan und Jiin. Shomen und Ura. Die Herausforderung bestand nun aber bald darin, zur Jiin ein eigenständiges Bunkai /Oyo zu gestalten. Nach einiger Zeit waren wir soweit und irgendwann wurden wir ein „eingespieltes Team". Auch wenn wir auf die „Sechzig" gehen, wollten wir auf die modernen Medien nicht verzichten: Es wurde also gefilmt und wir durften unsere Bemühungen immer wieder selbstkritisch betrachten.

Ein besonderes Moment war es für mich, als uns Michaels Sensei, Rudolf Riegauf, 7. Dan Shotokan, aufforderte, vor der Prüfung auch mich kennenzulernen. Wir fuhren zum Overather Dojo. Die „Chemie" stimmte: Endlich mal ein weiterer „Albatross" im Karate! Ich merkte auch, daß sich Michael sofort wohl fühlte. Und daß sich die Atmosphäre auf mich übertrug. 

Die letzten Wochen vor Michaels Prüfung haben wir dann noch mal reingehauen und die Schlagzahl deutlich erhöht.

In unserem Alter braucht man mehr Zeit, um sich an neue Umstände zu gewöhnen. Deshalb fuhren wir bereits am Donnerstag in die „Grube Louise" bei Neuwied, dem Zentrum des Geschehens.´Neben den zwei obligatorischen täglichen Shotokan-Einheiten gab es Zusatzangebote zum japanischen Bogenschießen, „KyuDo", zum Yoga und zum GojuRyu-Karate.

Die Beschaffenheit der an sich sehr schönen Trainingshalle hatte mich dann an meine Jugend erinnert: Ich habe seitdem keinen betonhärteren und eiskälteren Trainingsboden erlebt! Wir mußten unsere „Wurfeinlagen" „abMildern". Die andere Seite der Medaille ist: So ist das Leben! Ein einigermaßen realistisches Bunkai muß auch mit Straßenteer und Bordsteinkanten rechnen.       

Freitags gegen 14 Uhr begannen die Danprüfungen. Michael mußte ab 16 Uhr 45 Uhr erstmal alleine ran. Gegen 17 Uhr war dann unser gemeinsamer Auftritt: Jiin Bunkai. Laut unseren Prüfern bebte die Halle und auf der am späteren Abend vollzogenen „Dan-Gala" wurde uns coram publico großes Lob ausgesprochen.

Was nur beweist, daß alle Trainer des SKDM beste Arbeit liefern!!!!!!

Wir waren etwa 60 Karateka und Alle haben sich engagiert. Die täglichen „Frühstückssemmeln" mußten vom nächsten Bäcker, der 30 Kilometer entfernt verkauft, geholt werden. Es gibt keine Spülmaschine und so sind mindestens vier Menschen allein damit beschäftigt, dreimal täglich für sauberes Gedeck zu sorgen. Es muß täglich Holz gehackt werden, um den alten Holzofen warm zu halten. Usw. usf. Von morgens bis abends, ob man nun das Karate aktiv betreibt, oder nicht. Mir wurde in diesen Tagen wieder zweierlei klar:

Man kann eine harmonische, engagierte Gemeinschaft nicht erzwingen – geschweige denn, mit Geld bezahlen! Und: „Sei höflich und bescheiden!" 

Am Rande: Es gibt ja die alte Zengeschichte, daß sich der erleuchtete Abt des Klosters quasi als Gärtner „tarnt". Ich habe jeden Morgen einen sehr sorgsamen Gärtner in der Grube gesehen und ich möchte zu gerne wissen, was er von den Exzentrikern im weißen Pyjama hält …

 

Bilder gibt es hier:

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